Skills

Mit Hilfe therapeutisch unterstützter Selbstexploration gewinnt der Betroffene die Fertigkeit, ungünstige Geisteszustände zu erkennen, zu beschreiben und anzuschauen. Das erfordert viel Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Da der Patient solche Dinge nur sich selbst und nicht einem Fremden offen legt, ist die Hemmschwelle denkbar niedrig, stellt aber doch einen erfolgsbegrenzenden Faktor dar.

Die ungünstigen Geisteszustände sind verschiedenen Themenbereichen zuzuordnen:

Verhaltensmuster:
ausgeprägtes non-verbales Schmerzverhalten (z.B. Mimik, nicht notwendige Gehhilfe), ausgeprägt verbales Schmerzverhalten (weitschweifende Beschreibungen, unangemessen hohe Skalenwertangaben), unangemessenes Durchhaltvermögen, Nichteinhalten erforderlichen Gesundheitsverhaltens (z.B. Gartenarbeit bei Rückenleiden)

Einstellungen:
Dagegen-Anrennen, häufige Therapeuten-Wechsel, hartnäckige Versuche, ein unlösbares Problem lösen zu wollen, fortgesetzte Ursachensuche, Schmerz als Mittel zur Beziehungsregulierung, Schmerz als Mittel zur Regulierung sozialer Probleme, Flucht in Selbstmedikation oder zu unqualifizierten Anbietern.

Stressverarbeitung:
Vermeidung, Resignation, Kontrollillusionen, ärgerbetonte Streßverarbeitung, bagatellisierung, Katastrophisierung, übermäßige Ablenkung.

Belastungen:
Konflikte inder Familie oder am Arbeitsplatz, Bedrohung der existentiellen Basis, harte Erziehungsbedingungen mit emotionaler Entbehrung, schwere körperliche oder psychische Erkrankung naher Angehöriger, drohender oder realisiee Verlust naher Angehöriger oder Bezugspersonen.

Emotionen:
ärgerlich-gereizte Stimmung, leichte innere Erregbarkeit, übertrieben positiver Emotionsausdruck, traurig-niedeeschlagene Stimmung.

Glaubenssätze:
willkürliche Schlußfolgerungen, emotionale Beweisführung, Resignaton, Persönlichnehmen, Schwarz-Weiss-Sehen, ausgeprägte Selbstaufmerksamkeit für körperliche Vorgänge, pessimistische Grundeinstellung, Feindseligkeit.

Was ist daran so schwierig?

Es bedarf großer Introspektionsfähigkeit, diese ungünstigen Geisteszustände bei sich selbst wahrzunehmen. Naturgemäß geht das nur, wenn uns unsere Gedanken, Handlungen etc. auch wirklich bewußt sind. Was aber, wenn ich es mit Vorbewußtem oder Unbewußtem zu tun habe. Zu Vorbewußtem bekomme ich Zugang im sog. Alphazustand unseres Gehirns, einem Zustand, der tiefer Entspannung entspricht. Das dürfte kein Problem sein, wenn ich die Achtsamkeitskaskade (siehe nächstes Kapitel) mit der Ruhetönung beginne (entsprechend der Samatha-Meditation). Heikel wird es erst bei unbewußten Inhalten: diese lassen sich nicht ohne psychotherapeutische (tiefenpsychologische) Hilfe erschließen. Erschüttert: nicht notwendig, denn wir kümmern uns erst mal um bewußte und vorbewußte Inhalte. Da haben wir reichlich zu tun.