Achtsamkeitsbasierte Schmerztherapie

Achtsamkeitsbasierte Schmerztherapie®(ABST) nach Dr. Peter Tamme. Psychologische Schmerztherapie bei chronischen Schmerzen.

Wenn schmerzleidende Menschen den Arzt aufsuchen, möchten sie gern frei sein von Schmerz. Sofern es sich um chronische Schmerzen handelt (zur Definition später), läßt sich das nur selten, höchstens teilweise erreichen. Ein realisierbares Ziel könnte sein:

Frei sein im Schmerz

im Gegensatz zu dem unrealistischen Wunsch nach Freiheit vom Schmerz. Chronische Schmerzen folgen einem somato-psycho-sozialen Konzept. Damit wird ausgedrückt, daß Menschen mit chronischen Schmerzen immer ein körperliches, ein seelisches und ein soziales Schmerzproblem haben. Die Gewichtung dieser drei Komponenten ist individuell verschieden und entscheidet letztlich über Schwerpunkte der Behandlung.  Dichotome Denkweise („entweder körperlichoder psychisch“) und die Dominanz körperorientierter Behandlungsansätze scheinen eine Situation zu zementieren, in der die bedeutsame psychogene Krankheits-Komponente zur zweitrangigen Restkategorie herabgesetzt wird. Wird sie überhaupt berücksichtigt, so endet das häufig in der undifferenzierten Verabreichung von Entspannungsverfahren, die nicht grundsätzlich bei jedem Schmerzpatienten indiziert und allzu oft auch nicht hilfreich sind. Psychotherapeuten winken zuweilen beim Thema Schmerzpatient stirnrunzelnd ab, nicht zuletzt, weil ein griffiges störungs-spezifisch psychologisches Behandlungskonzept bislang fehlte und Psychotherapie deshalb „nach dem Gießkannenprinzip“ (d.h. nicht gezielt) verabreicht werden muß. Psychotherapie erfüllt dann unter Umständen nur das Kriterium einer Lebensbewältigungshilfe oder von Wellness. Entsprechend umfangreich sind die Streuverluste und dürftig die Erfolge. Die von Dr. Peter Tamme entwickelte Achtsamkeitsbasierte Schmerztherapie(ABST) versucht diese Lücke zu schließen, indem sie die Praxis der Achtsamkeit auf die speziellen Probleme chronisch Schmerzkranker anwendet.

In Hinblick auf die psychogene  Komponente der chronischen Schmerzerkrankung herrschte bislang weitgehend Konzeptlosigkeit.Wirksamkeitsbelege der verschiedenen Formen der Psychotherapie (isoliert oder kombiniert eingesetzt) sind lückenhaft.

Bei der Ausarbeitung eines störungsspezifischen psychologisch-schmerztherapeutischen Behandlungskonzeptes mußte auf die Belange chronisch Schmerzkranker einerseits, auf die Rahmenbedingungen der Schmerztherapeuten andererseits eingegangen werden, was letztlich zur Entwicklung der hier beschriebenen Behandlungsmethode führte. Dass der therapeutische Ansatz „achtsamkeitsbasiert“ gewählt wurde, liegt daran, daß damit in anderen Bereichen, in denen es um den Umgang mit belastenden aversiven Gefühlen geht (Stress, Angst, Depression, unkontrollierbare Impulse), herausragende Erfolge erzielt wurden und auf der Grundlage wissenschaftlicher Untersuchungen Wirksamkeitsnachweise erbracht werden konnten.

Auf dem Gebiet der spezialisierten Schmerztherapie besteht ein immenser Bedarf für ein Gruppentherapiekonzept, das es erlaubt, in kurzer Zeit mit wenig Aufwand vielen Patienten gleichzeitig ein Instrument an die Hand zu geben, das es ihnen ermöglicht, sich aus den Verwicklungen in schmerzbezogene Dysfunktionalitäten zu lösen und zur Rückgewinnung von Selbstbestimmtheit zu verhelfen. Die Tatsache, daß mit ABST ein solches Konzept gefunden wurde, ist zwangsläufig damit verbunden, daß die Betroffenen die Verantwortung für ihr Befinden auch wieder selbst in die Hand nehmen (müssen). Die Abhängigkeit vom Therapeuten wird reduziert. Letzteres wird jeder Betroffene begrüßen,- die Sache mit der Eigenverantwortlichkeit schon weniger. Allzu gern würde mancher Patient den Auftrag an eine Schmerzpraxis am ehesten mit einer Reparaturwerkstatt vergleichen: es wird etwas bemängelt, das nicht in Ordnung ist, ich schiebe den Körper in die Werkstatt (die Praxis) und hole ihn dann möglichst bald mit neuem TÜV und ohne Klappergeräusche wieder ab.

Therapeuten, die mit ABST arbeiten, vergleichen sich am liebsten mit einem Bergführer: der Gast entscheidet sich für einen Weg, den er nicht kennt und ohne Hilfe nicht bewältigen kann. Der Bergführer zeigt diesen Weg, trägt auch einen Teil der Lasten,- gehen muß der Gast aber selbst. Verlangt der Gast, daß er getragen wird, geht der Bergführer allein weiter und kümmert sich um den nächsten Gast. Niemals ist der Bergführer in einer „Bringschuld“. Es ist nur fair, das vorher klar zu artikulieren.

Läßt sich das ABST-Prinzip auf „einen kurzen Nenner“ bringen? Ja! Grundgedanke ist, daß Schmerz nicht mit Leid korreliert. Ob und wie viel Leiden entsteht, hängt in erster Linie davon ab, ob Multiplikatoren für den objektiven Schmerz in Form ungünstiger Geisteszustände vorliegen. Wenn wir nun durch ein Selbstbehandlungskonzept in die Lage versetzt würden, diese verstärkenden Bedingungen zu identifizieren und die Verwicklung darin abzustellen, so resultierte daraus der reine objektive Schmerz, der seinerseits konventioneller Therapie sehr leicht zugängig ist.

® ABST ist ein beim Deutschen Patentamt eingetragenes Markenzeichen (ID O-10-02322)